Der Bernbecksche Familienbund

 

A. Geschichtlicher Überblick

Die Bernbeck sind nicht aus dem Hessenland hervorgegangen, sie stammen aus der Bauernschaft Holthausen bei Hattingen an der Ruhr, wo es bis vor wenigen Jahren einen Behrenbeckhof gegeben hat, der als die Stammheimat des Geschlechtes anzusehen ist; er ist nach dem Tode des letzten Namensträgers in andere Hände übergegangen. Einzelne Träger des Namens sind bis ins 14. Jahrhundert nachzuweisen. Nach den Forschungen des Essener Genealogen Wilhelm van de Loo (+ 1957) war der Hof unserer Vorfahren nicht ein Hof des Stiftes Essen oder der Abtei Werden an der Ruhr, sondern einer der rund 100 Unterhöfe des Oberhofs Eickenscheidt, des Vorbilds für Karl Immermanns vor mehr als 120 Jahren erschienenen Romans "Der Oberhof". 1486 erscheint als Hofbesitzer in einer Steuerliste der Grafschaft Mark ein Gerwyn in der Berenbeick. Die älteste auf den alten Hof Bezug nehmende Urkunde im Hattinger Stadtarchiv nennt 1531 Tilmann in der Berenbecke. Dessen mutmaßlicher Urenkel Tillmann in der Berenbecken, Bauer in Holthausen, begründete die bis heute fortzuführende Stammlinie.

Neben der urkundlichen weist auch die mündliche Überlieferung der Familie rheinabwärts. Ein Ahne, der jährlich eine Fußreise von Gießen "ins Nieder-land" machte, um "Leinen zu holen", spielt dabei eine wichtige Rolle, die inzwischen geklärt ist: offenbar zog der älteste Gießener Bernbeck, der Leinenhandel betrieb, jährlich in die alte Heimat und tauschte dort hessisches Leinen gegen Posamenten, Spitzen und Borten aus dem Wuppertal, d.h. er zählte zu den sogenannten "Langenberger" Händlern. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde dann einer der Gießener Namensträger geistlich, Johann Daniel, der Stammvater des Familienverbandes Bernbeck, der danach eine stattliche Reihe Theologen zu seinen Angehörigen zählt.

B. Der Name Bernbeck

Die Form des in Hessen verbreiteten Familiennamens Bernbeck ist nicht die älteste, von der man für die Deutung des Namens auszugehen hat. Die ältesten in und um Hattingen nachweisbaren Träger heißen ja "in der Beren-beke". Der zweite Teil ist klar, es ist die niederdeutsche Form des hochdeutschen "Bach". Die Deutung des ersten Teils machte mehr Kopfzerbrechen, ist aber inzwischen auch gelungen, nachdem man seine Mundartform ermittelt hat: die Berenbeke ist kein Eber-, auch kein Bärenbach, sondern ein Beerenbach (Biärnbeke). Dieses Gewässer gab dem Hof den Namen, ihn trugen danach die dort ansässigen Bewohner. Die um Hattingen noch gültige Form des Familiennamens ist Behrenbeck.

 

C. Organisation des Familienverbandes Bernbeck

Der damalige Gymnasial-Oberlehrer in Bonn, spätere Kgl. Provinzial-Schulrat in Hannover Geh. Reg. Rat Lic. theol. Carl Leimbach rief am 21. März 1876 in einem begeistert aufgenommenen Rundschreiben an die Verwandten den Familienverband Bernbeck ins Leben, dessen hundertjähriges Bestehen man 1976 [begangen hat]. In seiner Stärke, nämlich daß er auch die Nachkommen der Töchter des Stammelternpaares Johann Daniel Bernbeck, Pfarrer zu Wirberg und Heuchelheim bei Gießen (+ 0l.07.1825) und Charlotte Schneider (+ 0l.02.1829) umfaßt, liegt zugleich auch eine gewisse Schwäche, nämlich die starke Ausbreitung in alle Richtungen der Windrose und die Vielzahl der damit einheiratenden Familiennamen, deren genaue Zuordnung zu den einzelnen "Stämmen" beim Hören sicher nur noch wenigen Kundigen auf Anhieb gelingen dürfte. Die Organisation, die sich nunmehr [mehr als] ein Jahrhundert lang, wiewohl nicht ohne Änderungen, bewährt hat, ist die folgende, wobei den Vorstand im juristischen Sinne Schriftleiter, Rendant und Sprecher bilden.

I. Der Senior. Er ist der an Jahren älteste männliche Nachkomme des Stammpaares. In seinen amtlichen Funktionen ist er seit einigen Jahren durch den Sprecher (s. d.) abgelöst worden; die Mitarbeit in den Familiengremien steht ihm mit Sitz und Stimme frei. Er wird durch den Nächstältesten als Subsenior vertreten.

II. Der Familienrat. Der Familienverband wird nach den verheirateten Söhnen und Töchtern der Stammeltern in 7 Stämme unterteilt, von denen der zweite, Strack I, inzwischen ausgestorben ist. Diese senden in den Familienrat ihre Vertreter, die den Senior bzw. Sprecher in wichtigen Entscheidungen beraten; diese werden dem Familientag zur Beschlußfassung vorgelegt.

III. Der Familientag. Die Zusammenkünfte des Familienverbandes, des eigentlichen Familienparlamentes, finden in der Regel als Familientag alle zwei Jahre in der Regel in Gießen als dem alten Familienzentrum der Familie statt, seit langem am Sonntag nach Pfingsten. Dem Familientag voraus geht eine Vorversammlung am Vortrag, die die zur Beratung anstehenden Punkte bespricht und zur Beschlußfassung durch die Hauptversammlung vorbereitet. Insgesamt haben in den ersten 100 Jahren 46 Familientage stattgefunden, die sich im allgemeinen eines guten Besuchs - meist über 100 Personen - erfreuen.

IV. Der Rendant. Die Kassengeschäfte des Verbandes verwaltet der Rendant. Der Verband verfügt über das Postscheckkonto Nr. 10865-608 Frankfurt a. M. Der Jahresbeitrag - es ist jeweils nur eine Mindestgrenze festgelegt, die vom Familientag beschlossen wird - dient im wesentlichen zur Finanzierung des Verbandsorgans, des "Korrespondenzblattes der Familie Bernbeck". Das zwei Inflationen zum Opfer gefallene Familienstipendium ist zeitweilig durch eine vom Senior betreute Hilfskasse in gewissem Umfang ersetzt worden, die indessen auch nicht mehr besteht.

V. Das Familienblatt. Das "Korrespondenzblatt der Familie Bernbeck" bildet neben dem Familientag das stärkste Mittel zum Zusammenhalt der Familienmitglieder. Seinen ursprünglichen Charakter als Korrespondenzblatt hat es in den rund hundert Jahren seines Bestehens im wesentlichen beibehalten. Es erscheint nach Bedarf, meist viermal im Jahre. In den ersten Zeiten seines Bestehens kam es bis zu zwölfmal im Jahr heraus. Für die Herausgabe und den Inhalt ist der Schriftleiter verantwortlich; er gehört mit Rendant und Sprecher zu den Vorständen des Verbandes.

VI. Das Familienarchiv. Von dem rührigen Wilhelm Wahl (+ 1970) nach dem ersten Weltkrieg gegründet und ausgestattet, birgt das Familienarchiv Urkunden, Akten, Bücher und Bilder sowie sonstige Erinnerungsstücke an die Vergangenheit mehr musealer Art. Es befindet sich nach mancherlei Umzügen jetzt in Hof Güll bei Lich im Hause Joseph Lischka.

VII. Der Sprecher. Unter den Ämtern des Familienbundes ist das des Sprechers das jüngste, es besteht erst seit einigen Jahren. Es erwies sich als zweckmäßig, die amtlichen Funktionen des Seniors sowie die eigentliche Leitung des Verbandes einem besonderen Funktionär, dem Sprecher, zu übertragen. Er hat einen Vertreter, der im Notfalle an seine Stelle tritt. Wie die übrigen Vorstände, wird er ab 1976 vom Familientag bestätigt und handelt, wenn erforderlich, in Abstimmung mit dem Familienrat.

 

D. Das Wappen der Familie Bernbeck

Das anläßlich des 75-jährigen Bestehens des Familienverbandes im Jahre 1951 angenommene Verbandswappen, zu dessen Führung auch die darin vereinigten Träger des Namens Bernbeck berechtigt sind, zeigt in Gold drei (2:1) schwarze Bärenköpfe, dazwischen einen blauen Wellenbalken. Es ähnelt dem Wappen einer ausgestorbenen fränkischen Familie Bernbeck, hat aber als zusätzliches Unterscheidungsmerkmal den Wellenbalken, der auf die niederdeutsche "Beke" hinweist.

Wappen Familienverband Bernbeck

Wappen des Familienverbandes

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