Ursprung und Verbreitung der Familie Bernbeck
(nach: "Stammbaum der Familie Bernbeck",
ein Familienbuch mit genealogisch-biographischer Übersicht der Familie
Bernbeck,
bearbeitet und herausgegeben von Franz Wahl, Großherzoglicher
Oberamtsrichter zu Schlitz,
erschienen im Verlag von Karl Wahl in Leipzig,
1896, Seiten 3-5)
Der Ursprung der Familie ist geschichtlich nicht genügend aufgeklärt. Sichere Nachrichten liegen erst vor seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dietrich Bernbeck in Gießen, geboren um das Jahr 1630, ist der älteste [sicher] nachweisbare Stammvater der Familie. [Es gibt mehr oder weniger gute Vermutungen für die weiteren Vorfahren, aber letzte Sicherheit fehlt.] Name und Familientradition weisen auf die "niederen Lande" als die Heimat der Vorfahren hin; [diese sind nicht zu verwechseln mit den heutigen Niederlanden (Holland), es handelt sich vielmehr um das noch deutsche niederrheinische Becken. Der kleine Ort Hattingen ist die eigentliche Heimat der männlichen Bernbeck-Ahnen.] Diese Familientradition ist in verschiedenen Formen von dem Altertumsforscher Karl Bernbeck (gestorben in Gießen 1864), [ein Sohn von Johann Daniel Bernbeck, dem Ahnherrn aller heutigen Mitglieder der Familie,] erhalten worden:
1. Wie mir sehr oft, namentlich von meinem Onkel Johann Philipp Bernbeck erzählt worden ist, sollen vor etwa 200 - 300 Jahren drei Brüder, namens Bernbeck, aus Holland gekommen sein und sich in Gießen, Homburg und Schweinsberg niedergelassen haben.
2. Der Sage nach soll einer unserer Urahnen jährlich einmal in die Niederlande oder nach Holland gegangen sein und sich auf dieser Wanderschaft eines Eberspeeres bedient haben zu seiner Sicherheit sowohl als zu seiner Stütze. Er war ein Handelsmann und ging dahin, Leinwand zu holen, welche er auf seinem Rücken nach Hause trug. Der zu diesem Eberspeere (Wildschweinspieße) gehörige eichene schwarze Stab ist in meinem Besitze und bewahre ich denselben zum Andenken wohl auf. Er ist von dem sogenannten Lahnholze gefertigt und mit vielen regelmäßigen Knorren versehen, welche sämmtlich mit Nägeln beschlagen sind. Unten hat derselbe eine Stachel und oben erkennt man noch die Stelle, wo de Speer befestigt gewesen ist. Daß derselbe ein Eberspeer gewesen, davon lies den Beweis im Pfennig-Magazin, 3. Band, Seite 245.
3. Mein Ur- etc. Großvater väterlicherseits floh mit seinen Söhnen aus seiner Heimat zur Zeit der Bilderstürmerei in den Niederlanden, um den Pressungen des Herzogs Alba, vom König Philipp II. als Statthalter gesandt, und dem Religionszwang zu entgehen, da er der neuen Lehre zugethan war, die sich damals von Deutschland aus dorthin verbreitete. Seinen Grundsätzen und seinem Glauben getreu, wollte er lieber sein Vaterland und das, was ihm sonst lieb und theuer war, aufgeben, als diesem ungetreu werden.
In Jöchers Gelehrtenlexikon wird ein Jurist, Floranus Bernbeck, 1509 in Windsheim geboren, 1577 als Ratsherr und Stadtrichter in Halle verstorben, erwähnt. Daß in den Städten Windsheim und Rothenburg o.d.Tauber (Mittelfranken) ehedem ein bürgerliches Geschlecht namens Bernbeck ansässig gewesen, ist auf Anfrage von dem Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigt worden.
Endlich registrirt Karl Bernbeck (Gießen), daß im Jahre 1850 vom 6.-8. November eine Frau von Bernbeck aus Berlin im Gasthof zum Einhorn in Gießen logirt habe.
Ein Zusammenhang dieser Personen mit unserer Familie ist an sich nicht undenkbar, aber nicht so leicht nachzuweisen. In Deutschland ist nur Gießen als sicherer Stammsitz festgestellt. Dafür daß drei Brüder Bernbeck sich ursprünglich in Gießen, Homberg a.d.Ohm und Schweinsheim niedergelassen haben, liegen keinerlei zuverlässige Nachrichten vor. Andererseits steht fest, daß der älteste in den Kirchenbüchern zu Homberg vorkommende Bernbeck, namens Johann Dietrich Bernbeck, ein Sohn des erwähnten Dietrich Bernbeck zu Gießen gewesen, zu Gießem 1662 geboren und um das Jahr 1690 nach Homberg verzogen ist, während das erste in Schweinsberg ansässige Familienglied, der Schieferdecker Andreas Bernbeck, geboren 1782, von Homberg stammte und ein Sohn war des dortigen Wagners Johann David Bernbeck, eines Enkels des oben erwähnten Johann Dietrich Bernbeck zu Homberg. So weisen also die ältesten Kirchenbücher auf Gießen als den deutschen Stammort der Familie hin. Von Gießen aus hat sich die Familie zunächst in der Provinz Oberhessen ausgebreitet und bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ausschließlich dem Gewerbe- bzw. Handelsstande angehört. In Gießen waren die Vorfahren vorzugsweise Handelsleute, wie Tuchbereiter und Krämer, in Homberg und Umgegend sonstige Geschäftsleute, wie Wagner, Schieferdecker u.s.w. Erst die Nachkommen des Handelsmannes Johann Philipp Bernbeck (starb zu Gießen 1762) widmeten sich vorzugsweise einem wissenschaftlichen Berufe, besonders dem Studium der Theologie. Die Familie ist auch jetzt noch hauptsächlich im [Gebiet des früheren] Großherzogtums Hessen ansässig, hat sich aber im Laufe der Zeit in einzelnen Zweigen über das ehemalige Kurhessen und andere Theile von Deutschland ausgebreitet. Einige Glieder der Familie sind seit den 1850er Jahren nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika ausgewandert und haben dort Familien gegründet.
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